Goldelse - Geldgeschichten aus der Hauptstadt

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Geldgeschichten aus der Hauptstadt

Transkript

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Gleich in der ersten Sitzungswoche des Bundestages im neuen Jahr werde ich dann die Vertrauensfrage stellen.

This is what victory feels like.

To me the most beautiful word in the dictionary is tariff.

Willkommen bei GoldElse, dem Firmenkunden-Podcast der Berliner Volksbank.

In einer Welt, in der Unruhe das neue Normal geworden ist, gehört es zur unternehmerischen Realität, sich nicht nur auf die nächste Chance vorzubereiten, sondern auch auf die nächste Krise.

Dr. Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ-Bank, der Zentralbank der Genossenschaftsbanken, hat bereits exklusiv eine Wirtschaftsprognose für Unternehmerinnen und Unternehmer gegeben.

Jetzt ist er bei uns im Podcast, um gemeinsam die drängendsten wirtschaftlichen Herausforderungen und Chancen zu besprechen.

Von Handelszöllen über Zinsen bis hin zu Digitalisierung.

Bleiben Sie dran, um das kommende Jahr mit einer klaren Perspektive zu beginnen.

Los geht's!

Vielleicht nur mal kurz als Intro.

Nehmen Sie das auch so wahr?

Oder ist das eine mediale externe Wahrnehmung, dass wir in einem Dauerbeben leben?

Nee, nee, ich glaube es ist schon so.

Wir hatten die Corona-Krise.

Nach Corona direkt kam der russische Einmarsch in die Ukraine.

Und jetzt haben wir eben diese politischen Umbrüche in den USA.

Jetzt wird Trump ins Präsidentenamt eingeführt.

Bei uns gibt es Neuwahlen.

Also es sind sehr bewegte Zeiten, politisch und auch wirtschaftlich.

Und so wird es auch wahrscheinlich bleiben, erstmal noch eine ganze Weile?

So wird es auch bleiben, ja.

Also so wird es bleiben.

Wir haben jetzt ein sehr bewegtes Jahr, sicherlich 2025 vor uns.

Wir wissen noch nicht wirklich, was Trump alles uns bringen wird.

Er wird sicherlich alle noch in Atem halten.

Und die neue Regierung wird sehr schnell handlungsfähig sein müssen, um auch agieren zu können.

Sind die Amerikaner vielleicht sogar wichtiger mittlerweile als die neue Regierung?

Ich glaube nicht, dass sie wichtiger sind.

Sie sind sicherlich international natürlich wichtiger.

Also sie prägen den internationalen Handel.

Und das ist ja ein Teil der großen Agenda von Trump, dass er den internationalen Handel neu strukturieren will.

Dass er ganz stark auf Zölle setzen will.

Und das ist für uns als Deutschland, als Exportnation natürlich enorm wichtig.

Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch viele, gerade kleine, mittlere Unternehmen, die doch stark inlandsorientiert sind.

Und für die, was in Deutschland passiert, natürlich an allererster Stelle steht.

Und da ist sicherlich dann auch die Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung ganz wichtig.

Donald Trump ist im Amt.

Sie haben es schon angedeutet, das wird wahrscheinlich für viele Diskussionen, oder hat schon für viele Diskussionen gesorgt, wirft viele Fragen auf.

Was meinen Sie denn, das sind vielleicht so die stärksten Auswirkungen der Trump-Administration auf die deutsche Wirtschaft?

Ich glaube, es sind zwei Punkte, die ganz wichtig sind.

Das eine Thema Handel, da haben wir schon gerade drüber gesprochen.

Das Thema Zöller im Handel, was natürlich für Deutschland, die wir, die USA, als größten Handelspartner haben, und die wir als deutsche Wirtschaft einen großen Handelsbilanzüberschuss mit den USA erwirtschaften.

Bislang ist das natürlich ein ganz zentrales Thema.

Und auf der anderen Seite, glaube ich, das Thema Zinsen, was maßgeblich auch durch die USA mitbestimmt wird.

Und wo wir jetzt schon gesehen haben, die Zinsen sind in den letzten Wochen, Monaten kräftig gestiegen am Kapitalmarkt.

Nicht nur in den USA, sondern auch bei uns.

Wir haben einen transatlantischen Zinszusammenhang.

Und das prägt dann auch die Zinslandschaft, die Finanzierungsmöglichkeiten in Deutschland mit.

Einen transatlantischen Zinssatz, ich glaube, da muss man sehr tief in der Materie stecken.

Vielleicht können Sie, kann man es in zwei, drei Sätzen vielleicht versuchen mal zu erklären, wie die Zinssätze, die die USA bestimmen, auch auf unsere Zinssätze sich auswirken werden?

Ja, wir können beobachten über die Jahre, dass die großen Bewegungen bei den Zinsen, also bei den langfristigen Zinsen, bei den Renditen auf Staatsanleihen, wenn wir die mal anschauen, dass die sich mehr oder weniger im Gleichklang befinden, wenn wir die USA und wenn wir Europa und Deutschland anschauen.

Und das liegt daran, dass einfach die internationalen Kapitalströme, die Investoren mobil sind.

Im Sinne von, die können in den USA investieren, sie können in Europa investieren.

Also große Investoren wie zum Beispiel Versicherungen oder Investmentfonds, die Kundengelder anlegen.

Und die schauen dann, wo sie investieren.

Und das prägt dann auch sozusagen den internationalen Wettbewerb um Kapital.

Und deswegen ist es so, dass die Zinsen, die Renditen auf Staatsanleihen, einen relativ engen Zusammenhang aufweisen, international.

Okay, interessant.

Die Handelszölle.

Was denken Sie, kommen sie oder kommen sie nicht?

Weil es ist ja auch so spannend in den ersten Tagen, die Dekrete, die ja gerade im Sekundentakt oder Minutentakt unterschrieben werden.

Da waren jetzt die Zölle tatsächlich noch nicht dabei.

Auf was müssen wir uns einstellen?

Also die Zölle waren konkret noch nicht dabei, aber die werden kommen.

Was dabei war, waren Aufträge an seine zuständigen Minister zu prüfen, wie sich die Handelsströme, auch die Handelsdefizite entwickeln.

Und ihm Handlungsvorschläge, also ihm Trump Handlungsvorschläge bis zum Ende des ersten Quartals vorzulegen.

Und man kann ganz fest davon ausgehen, dass diese Handlungsvorschläge beinhalten werden, dass Zölle erhoben werden.

Nach unserer Einschätzung so im Frühjahr bis Sommer wahrscheinlich, da müssen wir damit rechnen.

Also wir gehen davon aus, zehnprozentige Zollerhöhung universal mit allen US-Handelspartnern.

Und nochmal ein Sonderzoll in Richtung China, den hat er ja im Wahlkampf oft genug angekündigt.

Da war von 60 Prozent die Rede, da denken wir, dass in Verhandlungen da möglicherweise das Ganze noch ein bisschen nach unten geschraubt wird und gehen von 40 Prozent Zoll USA in Richtung China aus und Europa.

Zehn Prozent, das ist aber von heute aus gesehen eher die Untergrenze, weil da war jetzt auch oft von 20 Prozent die Rede.

Also in dieser Spanne zehn bis zwanzig Prozent, denke ich, müssen wir rechnen.

Wird der Mittelstand das auch spüren, diese Zölle, die erhoben werden?

Das wird er spüren, insofern er im Außenhandel aktiv ist.

Also wir sehen es in unserer Mittelstandsumfrage.

Wir machen, wie der Z-Bank macht, auch regelmäßig eine eigene Mittelstandsumfrage deutschlandweit.

Und da sehen wir, dass so rund die Hälfte, vielleicht ein bisschen mehr, es kommt natürlich auf die Branche stark an, auch im Außenhandel aktiv ist und für die ist es natürlich ein relevantes Thema.

Bietet das aber auch die Chancen und die Pflicht, dass der Binnenmarkt natürlich angekurbelt werden muss?

Absolut, absolut.

Von noch größerer Wichtigkeit jetzt, dass wir den europäischen Binnenmarkt weiterentwickeln und dass wir als Europa Handel mit anderen Regionen intensivieren.

Beispiel Südamerika, wo wir Handelsbeziehungen noch weiter nach vorne bringen können.

Was ja, glaube ich, sehr auffällig ist an der Trump-Administration, die ja dann auch international, was auch internationalen Einfluss haben wird, dass er sich mit diesen ganzen Tech-Milliardären, wie man so sagt, allen voran Elon Musk, ja, glauben Sie, dass Elon Musks Einfluss auch bis Deutschland spürbar sein wird?

Ja, das glaube ich schon.

Ich glaube, er wird recht deutlich Einfluss nehmen.

Und man sieht es ein bisschen auch schon jetzt, glaube ich, darin, dass China, das Thema Zölle in Richtung China, ja in der Wichtigkeit ganz offensichtlich etwas nach unten gerutscht ist bei Trump.

Ich glaube, das ist Musk zuzuschreiben und seinem Einfluss, der ja große wirtschaftliche, finanzielle Interessen in China hat, mit eigenen Werken, von denen er aus exportiert.

Wir hatten das nächste große Thema Zinsen.

Das ist natürlich ein wichtiges Thema.

Was erwarten Sie an Zinssprüngen dieses Jahr in den USA und vor allen Dingen auch in Europa?

Also wir erwarten, dass die Notenbanken mit ihrer Zinssenkungspolitik, die im letzten Jahr begonnen hat, noch fortfahren.

Allerdings in unterschiedlichem Tempo und das hat auch mit Trump zu tun.

Die US-Notenbank wird wahrscheinlich vorsichtiger vorgehen und nicht so weit nach unten mit den Zinsen gehen, wie wir noch vor der Wahl dachten.

Wir glauben jetzt, dass da noch zwei Zinsschritte kommen jetzt in den nächsten Monaten bis auf ein Niveau von 4 Prozent.

Und da dürfte die Notenbank dann erstmal abwarten, weil auch die Inflation natürlich droht, wieder anzusteigen.

Und das ist für die Notenbank, denke ich, erstmal ein Thema, was sie im Auge behalten will und nicht zu schnell agieren.

In Europa sieht es ein bisschen anders aus.

Die Inflationsgefahren sind deutlich kleiner, auch weil die Konjunktur bei uns natürlich viel schwächer sich entwickelt als in den USA.

Und dadurch wird die EZB mit den Zinssenkungen weiter fortfahren.

Und wir glauben, dass sie bis unter die zwei Prozent noch gehen wird.

Von heute drei.

Das heißt, wir erwarten da bis zum Sommer 4 bis 5 oder bis in den Spätsommer rein auf jeden Fall 5 Zinssenkungen bis auf ein Zinsniveau von 1,75 Prozent.

Und damit wäre die EZB dann schon in den Bereich gegangen, den man als expansiv ansehen kann.

Im Sinne von, die Zinsen sind dann so niedrig, dass sie tendenziell auf jeden Fall positive Impulse für die Wirtschaft setzen sollten.

Das heißt, ich spiele jetzt mal einen Mittelständler hier aus Berlin und Brandenburg.

Wie plane ich dann zum Beispiel als Mittelständler?

Worauf muss ich mich einordnen?

Wie sollte ich mich erhalten?

Vielleicht im Zusammenarbeit auch mit der Bank.

Also die EZB tagt üblicherweise alle sechs Wochen und wir rechnen tatsächlich bei jeder Zinssitzung mit einem Zinsschritt.

Für die Unternehmen ist es erstmal eine gute Nachricht, wenn die Zinsen sinken.

Allerdings müssen wir sehen, das ist jetzt der Zinssatz am Geldmarkt, den die EZB hier beeinflusst.

Für die Unternehmen kommt es natürlich je nach Geschäftsfeld darauf an, was sie für eine Finanzierung brauchen.

Ob sie eine kurzfristige Finanzierung brauchen, da ist es günstig, wenn der Zins am Geldmarkt sinkt.

Wenn sie einen längerfristigen Kredit brauchen, kommt es natürlich eher auf die Kapitalmarktzinsen an.

Und da haben wir am langen Ende sozusagen der Zinskurve, haben wir zuletzt eher einen Aufwärtstrend gesehen.

Auch das hing letztlich mit dem US-Kapitalmarkt und mit dem Einfluss von Trump und der neuen Regierung zusammen.

Und da glauben wir zwar nicht, dass es in dem Tempo, wie wir es im Dezember gesehen haben, weiter nach oben geht.

Aber da sehen wir eben auch den Spielraum, dass es wieder deutlich zurückkommen kann, das Renditenniveau als sehr begrenzt an.

Da erwarten wir mit Blick jetzt auf 2025 eine weitere leichte Steigerung und glauben, dass wir da so in Richtung von heute rund zweieinhalb Prozent bei den Staatsanleihenrenditen in Richtung zwei, drei Viertel laufen, also noch ein kleines bisschen nach oben.

Und glauben also eher hier keine Entlastung bei den Kapitalmarktzinsen in diesem Jahr.

Kurz vor der Inauguration hatte Trump und Melania Trump einen sehr beeindruckenden und auch ein bisschen beängstigenden Schritt gemacht.

Insbesondere haben beide ihren eigenen Meme-Coin rausgebracht, ihre eigene Kryptowährung, die vor allem Trumps Kryptowährung ja gleich zu einer der Top Ten wertvollsten Kryptowährungen geworden sind.

Vielleicht nur mal ganz kurz, wie schätzen Sie in diesen Kryptomarkt ein, auch mit den angekündigten Deregulierungen und der Wichtigkeit?

Trump hat sich ja von einem Krypto- und Bitcoin-Kritiker jetzt zu einem Unterstützer und selbst Kryptowährungs-Unternehmer entwickelt, Unterstützung.

Und es ist ja auch deswegen sicherlich so stark geworden, weil viele, gerade auch Jüngere, versuchen ein Investment außerhalb des Finanzsystems zu finden.

Also ein Sicherheitsinvestment, wo man denkt, selbst wenn es zu einer Finanzkrise kommen sollte, das ist nicht betroffen, weil eben die Kryptowährung sozusagen unabhängig vom Finanzsystem ist.

Aber es ist natürlich eine enorm risikoreiche Investition, denn wir können keinen fundamentalen Wert, anders als beim Gold beispielsweise, was ja auch industrielle Verwendung hat, was Verwendung als Schmuck hat.

Bei Krypto haben wir wirklich nur den Wert, der ihm aktuell zugemessen wird, der aber auch auf Null fallen könnte.

Wenn ich dann höre, es gibt so Zahlen, dass ja eine Reserve aufgebaut werden soll, als Gegensatz zu Gold.

Ich glaube eine Million Bitcoin sollen gekauft werden und so als strategische Reserve.

Wird das ein Firmenkundenthema auch?

Ich glaube für die Firmenkunden würde es dann ein Thema werden, wenn es sich als Zahlungsmittel verbreiten würde und durchsetzen würde.

Das sehe ich im Moment noch nicht.

Dieses Thema Krypto als Reservewährung ist glaube ich auch eher ein Marketing-Gag als tatsächlich eine ernsthafte Überlegung.

Ich glaube eines der Schlüsselthemen auch für Deutschland und die EU in 2025 wird und bleibt das Thema Digitalisierung und Bildung.

Gerade heute Morgen oder vor wenigen Stunden hat die USA angekündigt, die werden 500 Milliarden in KI investieren in die nächsten vier Jahren.

Wie können wir uns das vorstellen in 2025?

Was ist da zu erwarten?

Man hat so das Gefühl, die USA investieren 500 Milliarden und die Europäer werden Weltmeister darin, Abmahnungen zu schreiben und das zu regulieren.

Gibt es da vielleicht nochmal einen hoffnungsvolleren Blick auf das Thema?

Das Thema KI wird ja ganz stark getrieben, was die Investitionen angeht, auch von den amerikanischen Tech-Unternehmen schon in den letzten Jahren.

Und das wird sicherlich so weitergehen.

Und in Europa, glaube ich, müssen wir wirklich sehen, dass wir den Zug nicht verpassen.

Haben wir das nicht schon längst verpasst?

Was die Entwicklung von KI angeht, ja, da ist ganz klar die USA und wahrscheinlich auch China führend.

Aber für uns geht es natürlich auch stark darum, für die Unternehmen bei uns, KI für sich zu nutzen.

Denn im Wettbewerb international eben auch nicht einen Nachteil zu haben, weil man eben KI nicht nutzt.

Und da bietet KI große, glaube ich, Chancen, um Effizienzgewinne zu machen in den Unternehmen.

Und wir müssen, glaube ich, als Europa und als sozusagen Regulierungsbehörde, als europäische, sehen, dass wir den Unternehmen hier nicht noch neue Fesseln anlegen, indem wir hier zu streng und zu eng regulieren und zu lange prüfen und die Unternehmen dann da noch in einen neuen Nachteil noch bringen.

Aber wie sieht es denn auch die Unternehmen selbst, können ja auch gerade in diesem kleinen und mittelständischen Bereich, können ja selber schon auch anfangen, um natürlich Dinge zu machen.

Man muss ja nicht immer warten, bis natürlich das nächste Gesetz kommt.

Haben Sie da so einen Impulsgedanken, den Sie da erheben können?

Ja, also ein Feld, in dem wir in Europa einen erheblichen Rückstand haben, und das hat auch beispielsweise der Tragi-Report gezeigt, ist eben das Thema Finanzierung von Start-up-Unternehmen.

Start-ups sind die Unternehmen, die tatsächlich die technologischen Neuerungen entwickeln und in den Markt bringen.

Und sie können es aber nur in den Markt bringen, wenn sie auch eine entsprechende Größe und damit auch eine entsprechende Finanzierung bekommen.

Und das müssen wir in Europa hinbekommen.

Da haben wir einen riesigen Rückstand, beispielsweise gegenüber den USA, sodass viele Start-ups tatsächlich, wenn sie eine Größe erreichen, wo sie mehr Finanzierung brauchen, in die USA gehen.

Und das müssen wir in Europa verhindern, indem wir die Voraussetzungen hier schaffen, gerade was die Finanzierung angeht von jungen Unternehmen, die den technischen Fortschritt auch bringen, dass wir die in Europa behalten und sich hier entwickeln lassen können.

Und ich glaube, das ist ein ganz zentrales Feld für dieses und für die nächsten Jahre, dass wir hier die Bedingungen für junge Unternehmen verbessern.

Einen spannenden Fakt, den Sie zum Thema Wirtschaftsmisere in Deutschland gebracht haben, war, glaube ich, einer der ersten Punkte war das Thema Bildung.

Vielleicht können Sie mal so grob galaktisch erstmal einordnen, weil es natürlich gerade für Berlin und Brandenburg, wo unsere Bildungszahlen, milde gesagt, nicht die besten sind im Land.

Bildung ist für uns in Deutschland überhaupt eigentlich der zentrale Faktor, der unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig macht, der unsere Wettbewerbsfähigkeit prägt und trägt, denn wir sind ja ein rohstoffarmes Land.

Wir leben von unserem Humankapital, wie die Ökonomen sagen, und das ist letztlich vor allem Bildung und Qualifikation.

Da sind wir auf einem guten Niveau in Deutschland, nach wie vor.

Wir haben gut qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, aber wir sehen natürlich, dass wir gerade in den Schulen, es gibt die PISA-Tests beispielsweise, dass wir da im internationalen Vergleich eher zurückgefallen sind in den letzten Jahren.

Aber wir müssen versuchen, da wieder nach vorne zu kommen und das fängt an bei der frühkindlichen Bildung.

In Deutschland ist die sprachliche Bildung ein ganz wichtiges Thema und dass wir dann in den Schulen auch die Vermittlung von gerade Mathematik, Technik, aber auch sprachlich wieder auf international besseres Niveau, also das heißt, dass wir hier unseren Platz im Ranking wieder verbessern können.

Wo wir auch eine gute Position haben, ist bei den Universitäten.

Im technischen Bereich haben wir ein sehr gutes Niveau und das müssen wir halten.

Und was sicherlich immer wichtiger wird, ist, gerade wenn wir uns die Demografie anschauen, dass wir nicht nur die jungen Leute mit einer sehr guten Ausbildung ausstatten, um dann ins Berufsleben zu starten, sondern dass wir auch im Laufe des Berufslebens weiterhin immer wieder an Qualifikation und Fortbildung denken.

Da, glaube ich, gibt es noch viel zu tun.

Also wir haben ein Sondervermögen für die Verteidigung aufgesetzt, 100 Milliarden.

Und Sie sagen ja gerade sehr plastisch, dass Bildung aber intern und als Investition für die Zukunft, um auch wettbewerbsfähig zu sein, genauso wichtig wäre.

Wäre es denkbar oder wäre es ein guter Zug, wenn wir 100 Milliarden Sondervermögen für die Bildung auch auflegen würden?

Würde das reichen, um uns da wieder nach vorne zu bringen?

Naja, das wäre auf jeden Fall ein sehr guter Grundstock, um da nach vorne zu kommen.

Was haben wir für einen Investitionsrückstand beispielsweise bei den Schulen überhaupt, in der Infrastruktur?

Es ist aber nicht nur ein Investitionsthema, das ist das eine.

Das andere ist auch, dass wir in der Bildung, denke ich, auch flexibler werden müssen und dass wir hier auch eine Entbürokratisierung brauchen, glaube ich.

Das muss jetzt nicht mal unbedingt eine große Investitionssumme sein, die dahinter steht, wir müssen, glaube ich, sehen, dass wir auch hier Standards in Deutschland vereinheitlichen.

Das Thema Entbürokratisierung oder überhaupt Bürokratieabbau ist für die Unternehmen, aber für uns auch insgesamt als Gesellschaft ein ganz großes, weil wir haben, glaube ich, über die letzten 20, 30 Jahre hier uns ein bürokratisches Monster, ein bürokratisches Monster kann man schon sagen, ja, haben wir uns aufgebaut und uns gefesselt und das kann nicht so weitergehen und wir sehen es in unserer Mittelstandsumfrage, Bürokratie ist das Top-Sorgenthema für die mittelständischen Unternehmen, ein ganz zentrales Thema für die nächsten Jahre.

Gibt es Ansätze, dass die deutsche Wirtschaft und auch die regionale Wirtschaft sich resilienter aufstellen kann für so Schocks, die ja gerade in sehr kurzen Abständen kommen?

Also ein Thema ist sicherlich für die Unternehmen, die im internationalen Handel tätig sind.

Ich glaube, die tun gut daran, dass sie versuchen, ihre Handelsbeziehungen breiter aufzustellen und da mehr Sicherheit reinzubringen, indem sie sich unabhängiger machen von einzelnen Lieferanten, Lieferbeziehungen und auch Kundenbeziehungen und versuchen, sich etwas zu verbreitern, denn wir werden das Thema im Handel weiter haben, nicht nur Zölle, sondern auch Handelssicherheit.

Wir haben einige Märkte, Produkte, Rohstoffe, wo wir eine sehr große Abhängigkeit von China haben, die müssen wir versuchen zu reduzieren.

Wir wissen nicht, wie die politischen Beziehungen weiterlaufen, wie das Thema China-Taiwan sich weiterentwickelt.

Also es gibt durchaus die Gefahr, dass wir da in eine neue Phase von Lieferschwierigkeiten, von Lieferkettenproblemen reinkommen und da sollten die Unternehmen versuchen, sich etwas unabhängiger zu machen und etwas breiter aufzustellen, da wo es möglich ist, also sowohl ihre Liefer- als auch ihre Absatzbeziehungen zu diversifizieren.

Ansonsten, was die Finanzierung angeht, glaube ich, ist es ein unsicheres Feld im Sinne von wir wissen nicht, was Trump jetzt macht, welche Auswirkungen es auf den Kapitalmarkt hat.

Wir müssen aber davon ausgehen, dass die Zinsen zumindest am Kapitalmarkt ein bisschen weiter ansteigen, dass sie aber am Geldmarkt tendenziell eher günstig sind und da können die Unternehmen, je nachdem, was sie für Finanzierungsbedarfe haben, sicherlich auch dann auf ihre Bank und auf ihren Bankberater zugehen und schauen, was sind hier für uns tragfähige Lösungen, in dieser sich verändernden Zinslandschaft.

Also da eine enge Beziehung zwischen Bank und Kunde ist, glaube ich, wahrscheinlich auch ein kleiner Klackpunkt für dieses Jahr.

Ja, ja, absolut.

Wir sind ein Familienunternehmen-Land und die Zahlen, die Sie präsentiert haben, die waren mir so überhaupt nicht bewusst.

Wir sind ja völlig abgesunken im Ranking, was die Wachstumschancen usw. angeht.

Vielleicht können Sie das nochmal ganz kurz einordnen, das hat mich sehr überrascht, ehrlich gesagt.

Ja, das ist ein Ranking, was ich da zitiert habe vom Verband der Familienunternehmen, die das wiederum vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, also dem ZDW, regelmäßig berechnen lassen.

Da fließen verschiedene Standortbedingungen ein.

Da ist Steuernbildung, Bürokratie, Finanzierung etc. spielen eine große Rolle.

Aber wo wir tatsächlich einen der letzten Plätze belegen, ist beim Thema Steuern.

Wir haben eine hohe Steuerbelastung in Deutschland, sowohl auf Unternehmereinkommen, also auf Gewinne, auch auf Arbeitnehmereinkommen.

Die Abgabenbelastung ist so hoch wie kaum wo sonst in Europa.

Und für Familienunternehmen gerade spielt auch das Thema Erbschaftssteuer eine große Rolle.

Und auch da sind die Bewertungen in diesem Ranking sehr negativ.

Aber gerade für die Familienunternehmen ist es eben wichtig, dass sichergestellt ist, dass das Unternehmen von einer auf die andere Generation übergeben werden kann, ohne dass der Fortbestand möglicherweise durch eine Steuerbelastung gefährdet wird.

Weil Sie gerade das Thema Steuern so in den Mittelpunkt gestellt haben.

Trump will ja der Steuersenkungspräsident überhaupt eingehen.

Kann da die deutsche kommende Bundesregierung vielleicht von Trump auch was lernen?

Bedingt, würde ich sagen.

Also man kann, glaube ich, von ihm lernen, dass es wichtig ist, auf die Unternehmenssteuern beispielsweise zu schauen.

Er hat schon in seiner ersten Amtszeit die Unternehmenssteuern in den USA ein ganzes Stück gesenkt.

Und das hat zu positiven Impulsen bei den Investitionen geführt.

In den USA, aber auch von ausländischen Unternehmen, für die es attraktiver geworden ist, noch in den USA zu investieren.

Und das will er jetzt weiterführen, wird die Bedingungen in den USA für die Unternehmen weiter verbessern.

Und das ist etwas, was für uns in Deutschland auch relevant ist, weil viele Unternehmen natürlich auch überlegen, die einen wichtigen Absatzmarkt in den USA haben, muss ich nicht vor Ort sein und vor Ort produzieren?

Einmal wegen der Zölle, die kommen, die drohen.

Und zum anderen, weil ich dort auch eine deutlich geringere Steuerlast habe.

Wo ich jetzt nicht sagen würde, wir sollten uns ein Beispiel an Trump nehmen, ist seine Finanzpolitik, die noch nicht ganz klar ist.

Aber er hat ja den Plan, die ausbleibenden Steuereinnahmen, wenn er die Steuern senkt, durch Zolleinnahmen zu ersetzen.

Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird.

Dass wir die Defizite in den USA, die Staatsdefizite, was ohnehin sehr hoch ist, noch weiter steigern.

Und das kann die Zinsen dann letztlich auch noch weiter ansteigen lassen.

Das wird negative Effekte haben.

Also daran, glaube ich, sollten wir uns kein Beispiel nehmen.

Aber was die Steuersätze für Unternehmen angeht, glaube ich, haben wir tatsächlich auch bei uns Handlungsbedarf.

Was würden Sie sagen, Tag 1, was wäre das Wichtigste, was diese neue Bundesregierung an Tag 1 beschließen, machen, tun sollte, aus Ihrer Sicht?

Ich glaube, für den Staat ist es wichtig, zu kommunizieren, dass wir eine Anstrengung brauchen, dass wir nicht so weitermachen können, im Sinne von, es wird allen immer nur besser gehen.

Ich glaube, wir haben riesige Aufgaben vor uns.

Schauen wir in den nächsten Jahren, dass wir die Produktionsbedingungen in Deutschland, die Wirtschaftsbedingungen, die Bedingungen für die Unternehmen wieder verbessern.

Der frühere Bundespräsident Herzog hat mal vor über 20 Jahren eine Ruckrede gehalten, hat gesagt, es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.

Ich glaube, so etwas Ähnliches brauchen wir auch wieder.

Herzlichen Dank.

Das war es für heute mit unserem Blick auf die Wirtschaftsprognose 2025.

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Bis zum nächsten Mal.

Über diesen Podcast

Arm, aber sexy war gestern - von kilometerlangen Warteschlangen an Dönerbuden bis zu millionenschweren Startups: In Berlin gibt es kaum ein Geschäftsmodell, das es nicht gibt. Und wir möchten die Geschichten dahinter erzählen und die Menschen zeigen, die unsere Lieblings-Metropole wirklich am Laufen halten. Wie ticken die Berliner Geldbeutel, was kostet ein Zoo und wie sieht die durchschnittliche Gewinnmarge eines Gemüsedöners aus?

Dies und noch viel mehr stellen wir euch ab sofort regelmäßig in unserem neuen Podcast "Goldelse: Geldgeschichten aus der Hauptstadt" vor. Euer Host: Maximilian Klein.

von und mit Berliner Volksbank

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